Welche tatsächlichen Auswirkungen hat COVID-19 auf Ihr Unternehmen?
Der Ausbruch des Coronavirus hat weltweit zu erheblichen wirtschaftlichen Störungen geführt. Unternehmen müssen ihre Finanzplanung mithilfe von Szenarioanalysen anpassen, um Lieferkettenprobleme, eine sinkende Nachfrage und Unsicherheiten erfolgreich zu bewältigen.
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Chinas globale wirtschaftliche Rolle verstehen
Um die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs besser zu verstehen, müssen wir ein fundiertes Verständnis für Chinas Rolle in der Weltwirtschaft entwickeln.
Nach Beginn seiner Wirtschaftsreformen im Jahr 1979 verzeichnete China fast 40 Jahre lang ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum. Heute ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und das Rückgrat zahlloser Branchen rund um den Globus.
China ist der am schnellsten wachsende Verbrauchermarkt der Welt, die größte Industrienation und der größte Exporteur. Es ist zudem der Hauptsitz von 129 Fortune-Global-500-Unternehmen und seit 2014 die größte Handelsnation der Welt. Für 2021 wird erwartet, dass Chinas Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt über 20 % liegen wird.
Im Jahr 2018 machten chinesische Konsumenten 33 % der weltweiten Ausgaben für Luxusgüter aus. Im selben Jahr gaben chinesische Touristen zudem 130 Milliarden US-Dollar im Ausland aus, was sie zu den Reisenden mit den höchsten Ausgaben weltweit machte. Mit dem Ausbruch des Coronavirus kam Chinas Wirtschaft jedoch plötzlich zum Stillstand.
Im Februar 2020 fiel Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex auf 35,7 Punkte – der niedrigste Stand seit 2004 und ein klares Zeichen für eine schrumpfende Produktionsaktivität. In dem verzweifelten Versuch, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, schloss die chinesische Regierung Fabriken sowie Einzelhandelsgeschäfte und stellte Arbeitskräfte unter Quarantäne. Laut NPR hinderten die strengen Quarantänemaßnahmen des Landes 300 Millionen Wanderarbeiter daran, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren.
China zwang die Fluggesellschaften außerdem dazu, ihre Maschinen während des Neujahrsfestes am Boden zu lassen – einem der wichtigsten Feiertage des Landes und eine Hauptsaison für Reisen und Konsum. Es wird erwartet, dass der Lockdown chinesische Fluggesellschaften über 12 Milliarden US-Dollar kosten wird, während die weltweite Luftfahrtindustrie voraussichtlich Verluste von 29 Milliarden US-Dollar hinnehmen muss.
Da China ein so wichtiges Rädchen im weltweiten Wirtschaftsgetriebe ist, sind die Folgen des Coronavirus-Ausbruchs bereits in ganz Asien, den USA, Großbritannien und Europa zu spüren.
Für Japan beispielsweise hätte das Coronavirus zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Seit Oktober 2019 kämpfte das Land mit einem verheerenden Taifun und Mehrwertsteuererhöhungen, die dazu führten, dass seine Wirtschaft (die drittgrößte der Welt) um 6 % schrumpfte. Da nun sein größter Handelspartner und wichtigster Tourismustreiber angeschlagen sind, wird für Japan eine Rezession erwartet.
Zahllose weitere asiatische Länder sind im Handel und Tourismus ebenfalls stark von China abhängig, darunter Hongkong, Singapur, Vietnam, Kambodscha, Indien und die Philippinen. Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong äußerte seine Sorge vor einer Rezession, da für das BIP seines Landes infolge des wirtschaftlichen Stillstands in China ein Rückgang um 0,5 % prognostiziert wird.
Erst vor wenigen Wochen warnte auch die Deutsche Bundesbank davor, dass ihre Wirtschaft (die viertgrößte der Welt) mit gravierenden „wirtschaftlichen Risiken im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Ausbruch“ konfrontiert sei. Deutschland ist Chinas größter Handelspartner, Technologieexporteur und zweitgrößter Investor in Europa. Analysten von Moody’s Investors Service erwarten, dass die Wirtschaftswachstumsrate des Landes infolge des Virus auf nur 1 % sinken wird.
In den USA stürzten die Aktienkurse auf den tiefsten Stand seit 2008, und die Zentralbank erwägt nicht nur Zinssenkungen, sondern hat bereits die Entscheidung getroffen und verkündet, die Zinsen um einen halben Prozentpunkt auf einen Zielkorridor von 1 % bis 1,25 % zu senken. Die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen fielen ebenfalls um 11 Basispunkte, während die Indizes FTSE, DAX, CAC 40 und S&P/ASX 200 als Reaktion auf den COVID-19-Ausbruch allesamt um bis zu 2,8 % nachgaben.
Wie kann sich Ihr Unternehmen am besten auf das Coronavirus vorbereiten?
Natürlich muss das Hauptaugenmerk beim Coronavirus auf dessen Eindämmung und Milderung liegen. Unternehmen sollten sich jedoch auch der wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus bewusst sein und wissen, wie sie sich am besten darauf vorbereiten können.
Nachfolgend finden Sie einige Tipps, wie Ihr Team Ihr Unternehmen bestmöglich auf das Coronavirus vorbereiten kann:
Führen Sie regelmäßige Szenarioanalysen durch: Die Szenarioplanung ist eine der besten Waffen in Ihrem Arsenal gegen Zeiten finanzieller und wirtschaftlicher Unsicherheit. Im Gegensatz zur Trendanalyse funktioniert die Szenarioplanung durch die Erstellung mehrerer plausibler Szenarien und das Zeichnen eines detaillierten Bildes der Auswirkungen, die jedes Szenario auf die wichtigsten Treiber Ihres Unternehmens haben wird. Jeder Tag bringt neue Entwicklungen hinsichtlich des Coronavirus mit sich, daher ist es wichtig, dass Ihr FP&A-Team regelmäßige Szenariopläne erstellt, um darauf vorbereitet zu sein, wie sich der Ausbruch des Virus auf Ihr Unternehmen auswirken könnte.
Hüten Sie sich vor dem „Hype“: Nachrichtenorganisationen sind darauf aus, Schlagzeilen zu machen. Daher unterscheiden sie nicht immer trennscharf zwischen harten Fakten und Spekulationen. Wenn Sie sich über den COVID-19-Ausbruch auf dem Laufenden halten, achten Sie darauf, mehr als nur die Schlagzeilen zu lesen, und nehmen Sie sich die Zeit, zu beurteilen, welche Nachrichten es wirklich wert sind, in Ihre Planungen einbezogen zu werden.
Stabilisieren Sie Ihre Lieferkette: Globale Lieferketten gehören zu den wirtschaftlichen Hauptbereichen, die vom Coronavirus betroffen sind – vor allem, weil China hinter so großen Teilen der weltweiten Produktion steht. Achten Sie bei der Durchführung Ihrer Szenarioanalyse genau darauf, wie sich unterschiedliche Entwicklungen auf Ihre Lieferkette auswirken, und versuchen Sie, eventuelle Unterbrechungen Ihrer Ketten so früh wie möglich zu antizipieren.
Nutzen Sie Ereignisbäume: Die Ereignisbaumanalyse ist eine vorausschauende Top-down-Planungsmethode, mit deren Hilfe Sie die Auswirkungen verschiedener Reaktionen auf ein einzelnes Ereignis untersuchen können. Setzen Sie diese Methode zusammen mit Ihrer Szenarioplanung ein, um sich ein klares Bild davon zu machen, welche Handlungsoptionen Ihnen in verschiedenen Szenarien im Zusammenhang mit dem Coronavirus-Ausbruch offenstehen. Achten Sie wie bei der Szenarioanalyse darauf, dass sich Ihr Team nicht darin verliert, zu viele verschiedene Ereignisse zu planen. Konzentrieren Sie sich stattdessen immer auf die Ereignisse, die auf der Grundlage harter Fakten am wahrscheinlichsten sind.
Denken Sie daran: Das Coronavirus ist in erster Linie ein Gesundheitsthema. Wenn Ihr Unternehmen betroffen ist, sollte Ihre oberste Priorität immer der Gesundheit und Sicherheit Ihres gesamten Teams gelten, bevor Sie sich auf Ihr Geschäft konzentrieren.
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